CONDITION
Übelkeit und Appetitlosigkeit, insbesondere infolge von Chemotherapie und HIV/AIDS, gehören zu den am besten etablierten medizinischen Anwendungen von Cannabinoiden, und synthetische THC-Arzneimittel sind seit Jahrzehnten von der FDA zugelassen.
Was die Forschung sagt
Der Bericht der National Academies von 2017 fand schlüssige bzw. substanzielle Belege dafür, dass orale Cannabinoide gegen chemotherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen wirksam sind. Das ist eine der klarsten Evidenzgrundlagen auf diesem Gebiet.
Zugelassene Arzneimittel
Dronabinol (Marinol), ein synthetisches THC, ist von der FDA gegen chemotherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen sowie gegen Appetitverlust und Auszehrung bei HIV/AIDS zugelassen. Nabilon (Cesamet), ein synthetisches THC-Analogon, ist gegen Übelkeit unter Chemotherapie zugelassen. Es handelt sich um verschreibungspflichtige Präparate mit festgelegter Dosierung.
Appetitanregung
THC ist bekannt dafür, den Appetit anzuregen (die sogenannten „Fressattacken“), was bei auszehrenden Erkrankungen therapeutisch nützlich ist. CBD teilt diese Wirkung nicht und kann sie leicht abschwächen.
Auf einen Blick
Worauf Sie achten sollten
Es handelt sich um verschreibungspflichtige Indikationen, die ärztlich betreut werden. Eine schwere Erkrankung selbst mit Cannabis statt mit bewährter Behandlung zu therapieren, ist gefährlich. Bei kranken oder älteren Menschen muss THC besonders vorsichtig dosiert werden.
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CB1-Signalgebung im dorsalen Vagalkomplex, klinische CINV-Studien und Hyperemesis-Risiko
Neuropharmakologische Untersuchungen zeigen, dass der Brechreflex im dorsalen Vagalkomplex des Hirnstamms (Area postrema, Nucleus tractus solitarii) sowie über vagale 5-HT3-Afferenzen im Magen-Darm-Trakt gesteuert wird; die Aktivierung präsynaptischer CB1-Rezeptoren durch Delta-9-THC dämpft dort die emetische Signalübertragung (Parker et al., 2011, PubMed PMID 21175589). Die US-amerikanischen National Academies stuften die Evidenz für orale Cannabinoide bei chemotherapieinduzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV) als eindeutig wirksam ein (NASEM, 2017, PubMed PMID 28182367; Smith et al., 2015, PubMed PMID 26561360). In der multizentrischen, doppelblinden Phase-II/III-Crossover-Studie von Grimison et al. (N = 81) steigerte ein orales 1:1-THC:CBD-Extrakt zusätzlich zur Leitlinienprophylaxe die Komplettansprechrate von 14 % auf 25 % (Grimison et al., 2020, PubMed PMID 32707248).
Haeufig gestellte Fragen
Welche Cannabinoid-Arzneimittel sind bei chemotherapieinduzierter Uebelkeit zugelassen?
Synthetisches orales Delta-9-THC (Dronabinol) und das synthetische Analogon Nabilon sind fuer chemotherapieinduzierte Uebelkeit und Erbrechen (CINV) zugelassen, wenn klassische Antiemetika nicht ausreichen; Dronabinol besitzt zudem eine Zulassung bei HIV-assoziierter Appetitlosigkeit.
Warum ersetzen Cannabinoide keine modernen 5-HT3- und NK1-Rezeptorantagonisten?
Leitliniengerechte Kombinationen aus 5-HT3-Antagonisten, NK1-Antagonisten und Dexamethason bleiben die Erstlinientherapie; klinische Studien belegen den Nutzen von Cannabinoiden vor allem als Zusatztherapie bei therapierefraktaerer Uebelkeit.
Was versteht man unter dem Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS)?
Chronischer, hochdosierter THC-Konsum kann paradoxerweise zu zyklischem, schwerem Erbrechen und Bauchschmerzen fuehren; die dauerhafte Besserung tritt in der Regel erst nach vollstaendigem Absetzen von Cannabis ein.